Ein Haus, vor dem Eingriff mit einer klaren Struktur,
sollte es bleiben, erfassbar in seiner Gesamtheit, ungeachtet der Notwendigkeit,
seine zwei grossen Räume aufzuteilen in mehrere, zum Wohnen geeignet.
Das Haus besass neben dieser Struktur nicht viel, sein Wert lag gerade
in dieser Beschränkung, in seiner Klarheit. Ein nur unterteilendes
Eingreifen hätte unweigerlich eine Abwertung bedeutet. Die Aufgabe
stellte sich, ein Wegnehmen aufzuwiegen, dem Haus einen Tausch anzubieten:
Antasten der zwei Haupträume im Erdgeschoss und im Obergeschoss,
Einführen der geschossübergreifenden Dimension zur Schaffung
eines zentralen, zusammenfassenden und lichtdurchfluteten Raumes. Damit
liess sich, natürlich, eine Belichtungsmöglichkeit für
innenliegende Bereiche des Gebäudes beträchtlicher Tiefe schaffen,
gleichzeitig aber der vorhandene dreischiffige Aufbau des Grundrisses
verstärken.
Damit jedoch der Verlust der zwei grossen Räume, welche geprägt
waren durch die dreiseitig umlaufenden Fensterreihen, nur ein teilweiser
werde, sind Durchblicke wo möglich zugelassen. Gleichzeitig ging
es darum, die vorgefundenen Stahlsäulen angemessen zu behandeln,
ihre Stellung in der Innenfassade zwischen zentraler Halle und Seitenschiff
zu markieren, das heisst auch, die Einbauten bezüglich der Säulen
präzis zu positionieren.
Das Haus lässt sich lesen als Ganzes, ist aber auch zusammengesetzt
aus verschiedenartigen Wohnungen. Die Wohnung lässt sich lesen
als Ganzes, ist aber auch Teil des Hauses. Durch das Ineinandergreifen
von Halle und Wohnung ist auch eine Synthese beider Lesearten möglich:
Das Haus ist in der Wohnung, die Wohnung ist in der Halle spürbar.
Die Grenzen zwischen den Bereichen sind njcht absolut: Der akustische
Abschluss liegt nicht notwendigerweise in der Ebene des visuellen Abschlusses.
Dieser ist teilweise lichtdurchlässig und beweglich, Raumbegrenzung
und -charakter verändern sich durch seine Öffnung und Schliessung.
Der Übergang vom halböffentlichen zum privaten Bereich liegt
nicht überall am Rand der Wohnung, sonder teilweise in deren Innerem.
Das transparente Verhältnis von räumlichen, aber auch konstruktiven
Teilen wurde im Verlauf der Arbeit und der Zusammenarbeit mit den späteren
Bewohnern auch Ausdruck einer Sicht des Verhältnisses von Einzelnem
und Gemeinschaft. Dass der Bewohner nämlich sich, selbst in seiner
privaten Sphäre, als Teil eines Ganzen fühlt.
Auszüge aus Archithese 2/85